Autismuskeepcalmandcarryon

In der Reihe der qualitativ hochwertigen Blogs sticht auch Autismuskeepcalmandcarryon heraus. Das Blog verzichtet auf eine „über mich“ Seite. Ein legitimer aber unüblicher Schritt. Blogleser sind geneigt nach dieser Unterseite zu suchen und sich ein Bild über den Blogger zu machen. Das kann den Blick auf den Inhalt ablenken und bietet die Gefahr der Angriffsfläche. Eltern haben eine Schutzfunktion. Sie schützen ihre Kinder. Das gilt auch für Anonymität.

Die Bloggerin ist Mutter von vier autistischen Kinder wovon zwei noch die Zusatzdiagnose ADHS haben. Inklusion in Schule und Beruf sind ihr ein wichtiges Anliegen.

Aufgrund eigener Erfahrungswerte versucht sie, Eltern von autistischen Kindern einige Wege zu vereinfachen, damit diese schneller an Informationen zu Schulrecht bzw. Nachteilsausgleichen gelangen können und somit dem „Behördendschungel“ nicht so hilflos ausgeliefert sind, wie sie es 2010 war.

Auch ist es ihr ein Anliegen, Eltern von autistischen Kindern mehr Verständnis für diese zu vermitteln.

Eltern dürfen nicht vergessen, dass ihr Kind immer noch „nur“ ein Kind ist, dass aller Fürsorge und Liebe bedarf, die Eltern geben können.

Der Leser wird viele Links finden, die ihm helfen sich weiter zu informieren und die eigene Recherche zu starten.

Das Blog von Autismuskeepcalmandcarryon beruht dem Libretto-Theme. Die Darstellung ist einfach, es überwiegt dunkelgraue Schrift auf einem beigen Hintergrund.

Wie bei WordPressseiten dieser Art üblich ist ein Banner dargestellt, das sich nicht durch Beitragswechsel ändert.

Die Menüs sind minimal gehalten, das Grün auf Beige ist schwer zu lesen. Autismuskeepcalmandcarryon begnügt sich mit der Anzeige der letzten Beiträge und dem obligatorischen Blogroll, eine Kategorienauswahl fehlt.

Erleichtert wird das Navigieren durch die Schlagwörter links oberhalb der Beiträge.

Diese Ansicht wird in der mobilen Version kritisch: Hier ist das Navigieren durch scrollen unterhalb der Beiträge möglich um sich  entlang der Schlagworte zu hangeln.

Der Blog verzichtet bis auf den Banner auf Fotos, das Lesen wird dadurch nicht durch Farbspiele irritiert.



 

Hobbithexe

„Stur, bockig und faul, das war ich vor allem als Kind und auch als Jugendliche.“

Hobbithexe beginnt mit diesem Satz ihren letzten Blogeintrag. Dieser Eintrag läßt sie den sie den Unterschied zwischen ihrer Wirkung auf die Mitmenschen und ihrem Inneren darstellen.

Sie berichet von ihrem Überfordertsein im täglichen Leben als Jugendliche in einem Dorf, selbst das Treffen eines Bekannten auf der Straße kann eine Hürde sein. Ihre gewählte Strategie: Abschauen und imitieren. Letztlich stellt sie fest, dies hat nicht zum Erfolg geführt.

Sie macht ihren Weg. Abgelegt hat sie das alte Gefühl des Versagens und Hobbithexe gilt für manche als nicht wegzudenkende Größe im digitalen Alltag. Unterstrichen wird dies nicht nur durch die liebevollen Zusendungen von Blumen in ihrer Lieblingsfarbe in ihrer Timeline.

Hobbithexe schreibt Texte über Autismus, sagt aber deutlich, sie schreibt aus ihrem Empfinden und nicht alles trifft auf alle Autisten zu. Sie sagt klar, wir sind alle Individuen.



 

Sabine Kiefner: Das kenne ich auch – Autismus verharmlost

Sabine Kiefner schreibt in diesem nun schon älteren und doch noch immer aktuellen Beitrag über das allseits gehörte „auch“.
Auch? Wenn Autisten über ihre Probleme oder Autismus berichten, dann ist dieses Auch zu hören: kenne ich auch, bei mir auch, auch ich das empfinde ich so.

Ist das eine Abwertung? Solidarität? Oder Taktlosigkeit?

Sabine Kiefner vergleicht dies mit einem Blinden, der sein Alttag beschreibt. Was wird dieser zu hören bekommen? Sie beschreibt die ständigen Verharmlosungen unserer Mitmenschen und wie Vorurteile entstehen.

Das kenne ich auch – Autismus verharmlost: Eine schöne Doppeldeutigkeit.

Sabine Kiefer: Das kenne ich auch – Autismus verharmlost